Auf und ab durch Nordperu

Huaraz (01.10.17) – Chachapoyas (18.10.17)

Nach der langen Reise von Zürich über Lima nach Huaraz sind wir am 1. Oktober endlich beim Busterminal in Huaraz angekommen. Dort wartete bereits Arthur – schwatzend mit den Peruanern – auf uns, obwohl es noch frühmorgens um 06.00 Uhr war. Auf den ersten Blick hat er sich kaum verändert, ausser vielleicht das eine oder andere graue Haar mehr. Arthur führte uns zum Hostel wo uns auch Sarah mit einem herrlichen Zmorgen empfing. Irgendwie war es so, als hätten wir uns gestern das letzte Mal gesehen. Die beiden erzählten von einigen ihrer Eindrücke und so ging der Morgen schnell vorbei. Zwischendurch lernten wir auch Madeleine und Jérémy kennen. Nach einem kurzen Spaziergang durch das Städtchen und einem Powernap genossen wir am Abend das mitgebrachte Fondue zu sechst. Kaum zu glauben, dass wir nach Peru reisen mussten um ein Fondue à la Fribourgeoise zu geniessen.

Die ersten Tage mussten wir uns noch etwas an die peruanischen Strassenverhältnisse gewöhnen. Die 4 eingespielten Profifahrer erklärten uns die Spielregeln: Löcher (trous) auf den Strassen per Handzeichen anzeigen, den Verkehr nicht ausser Acht lassen und die bellenden Hunde mit Rufen und Steinen verscheuchen. Zudem war für uns sehr ungewohnt, dass die Leute uns begrüssten und zuwinkten und die Kinder nach draussen kamen um uns zu beobachten. In der Schweiz erwecken Veloreisende weniger Aufsehen als in Peru.

Von Huaraz fuhren wir dann los durch den Cañón del Pato bis nach Chuquicara. Auf dieser Strecke begleiteten uns Madeleine und Jérémy. Zu sechst waren wir für die Peruaner noch auffälliger als wenn wir zu viert unterwegs waren. Die Strecke war wunderschön inmitten des Canyons und entlang des Río Santa. Die Landschaft war geprägt von den zahlreichen Rot- und Gelbtönen im Gestein. Obwohl es primär bergab ging brachte uns der Gegenwind ganz schön ins Schwitzen. Von Chuquicara gings dann wieder bergauf Richtung Mollepata. Bezüglich der Routenwahl waren wir noch unschlüssig. Die Möglichkeit 1 (abenteuerliche Flussquerung) hörte sich spannend an. Möglichkeit 2 (via Pallasca) war mit vielen Höhenmetern verbunden. Um beide Varianten offen zu halten, schlugen wir unsere Zelte in der Nähe der Verzweigung auf. Am Abend gingen Arthur und Reto die Route entlang des Flusses auskundschaften. Das Resultat: kein Durchkommen. Wir mussten also den Weg über Pallasca auf uns nehmen. Dafür erhielten wir nochmals ganz viele eindrückliche Landschaftsbilder aus der Höhe. Bis nach Mollepata war es angenehm und auf guter Strasse. Danach begann der anstrengende Teil auf einer Schotterpiste. Von „Strasse » konnte man dort nicht mehr sprechen. Auf einer Höhe von ca. 3’200 bis auf 4’300 m.ü.M. mussten wir wohl mehr als die Hälfte der Strecke das Velo stossen. Dieser Teil war wirklich mühsam und wir waren sehr froh, als wir das Mittagessen auf dem erreichten Höchstpunkt von 4’300 m.ü.M. geniessen konnten. Leider haben wir unterwegs Madeleine und Jérémy „verloren », da sie mit mehr Gepäck langsamer unterwegs waren. Wir warteten auf dem höchsten Punkt auf die beiden, verabschiedeten uns dort von ihnen und zogen weiter Richtung Cajabamba. Der Weg nach unten war nach wie vor durch schöne farbige Landschaftsbilder geprägt, nur leider hat das Wetter gewechselt und so kam es zu ein paar Regengüssen. Auf der Abfahrt gab es noch einen erfreulichen Moment für unsere beiden Profis: 15’000 km!! Herzliche Gratulation euch beiden!

Am 7. Tag unserer Veloreise sind wir in Cajabamba angekommen und gönnten uns das erste Mal ein Hotel. Es war der perfekte Tag, denn wir wurden in Shitabamba regelrecht ins Wasser geworfen. So kamen wir durchnässt im Hotel an und freuten uns auf trockene und ruhige Zeiten. Leider wussten wir nicht, dass an diesem Tag ein grosses Fest war und das Folklore-Konzert direkt neben unserem Hotel stattfand. Das Konzert dauerte bis ca. 05.00 Uhr, so hatten wir wenigstens noch 2 ruhige Stunden Schlaf. Wir freuten uns deshalb gleich wieder auf die gemütlichen Übernachtungen im Zelt.

Von Cajabamba dauerte es dann nur noch 2 Tage respektive 120 km bis nach Cajamarca. In Cajamarca angekommen kam dann der geplante Ruhetag. Auch hier war das Timing perfekt, denn die Vorrunde für die Fussball-WM fand an diesem Abend statt. Wir konnten zusammen mit der gesamten Stadt das Fussbalspiel Peru – Kolumbien auf dem Plaza de Armas schauen. Als das Endresultat 0 – 0 feststand, feierten die Peruaner als wäre es ein Sieg. Sie hatten solch Freude, dass sie uns „Gringos » sogar das Bier und die Pisco Sours bezahlten.

Nach dem Ruhetag mit viel Schlaf und selbstgemachten Pancakes zum Frühstück haben wir uns wieder ein wenig frischer und motivierter auf die Sättel unserer Fahrräder geschwungen. Am Abend hatten wir allerdings schon wieder ein wenig von dieser Frische eingebüsst. Die Letzte Abfahrt vom Tag nach Pampa del Toro hat uns mit kaltem Gegenwind ganz schön abgekühlt. Dazu kam eine etwas längere Suche nach einem Schlafplatz und so war es bereits dunkel als wir die Zelte aufgestellt hatten. Der nächste Tag führte uns an Celendin vorbei, wo wir Proviant einkaufen konnten und anschliessend über einen Pass mit 3’100m Höhe nach Balsas abfahren. Balsas liegt auf 850m, was nach Adam Riese eine Abfahrt von 2’250m bedeutete! Juhuii! (Bild). Wir waren nun im Bezirk Amazonas und das bekamen wir in Form von Mückenstichen und tropischen Temperaturen zu spüren. Wir fragten uns auf welcher Höhe wohl das Optimum zwischen Kälte und Mücken liegt. Nach einer schweissgebadeten Nacht freuten wir uns auf den erneuten Aufstieg. Nach dem Negativrekord vom Vortag folgte an diesem Tag der Positivrekord mit 1’850 Höhenmetern. Glücklicherweise fanden wir auch gleich einen Zeltplatz im Garten einer Familie neben Hunden, Schweinen, Schafen und Hühnern. Am nächsten Tag ging es in gleichem Stil weiter mit dem Unterschied, dass die Sonne von Regenwolken verdeckt war und uns der Regen ins Gesicht peitschte. Je höher wir den Pass erklommen desto ungemütlicher wurden die Bedingungen und so waren wir wirklich froh als wir nach 900 Höhenmetern das Passschild „Calla Calla Altitude: 3’600m.s.n.m. » (Bild) erreichten. Von nun an konnte es nur noch wärmer und freundlicher werden! Alle 100 Höhenmeter taute wieder ein Körperteil auf. Kurz vor Leymebamba gab es noch ein Museum über die Kuelap-Kultur. Die beiden Profis konnten die durchnässten Kleider nicht davon abhalten, während uns Touris eine warme Dusche zu stark anlockte. Beim dritten Hotel hat es dann geklappt und wir durften die nassen Fahrräder sogar in die Stube stellen. Dies war uns eher unwohl, für die netten Besitzer jedoch selbstverständlich. Nun stand für uns der letzte Fahrradtag an, mit dem Ziel Chachapoyas. Es ging weiterhin bergab und das genossen wir obwohl wir wussten, dass am Ende noch ein kleiner Anstieg wartete. Unterwegs trafen wir noch zwei Kanadier auf Fahrrädern an, was an sich noch nicht aussergewöhnlich war. Wir erfuhren aber, dass dies gerade ihr erster Tag der Reise war. Endlich jemand der weniger Tage und Kilometer auf dem Buckel hatte als wir. Das wird sich natürlich noch ändern, ihr Ziel war Ushuaia… Nach dem besagten Schlussanstieg erreichten wir Chachapoyas. Die letzten beiden Tage verbrachten wir mit dem Besuch von Kuelap und der Organisation der Rückreise. Die Fahrräder schickten wir schon einen Tag früher auf die Reise und hofften, dass sie vor uns oder spätestens mit uns Lima erreichen würden (das taten sie auch). Nach einem letzten gemütlichen Frühstück zusammen hiess es dann leider Abschied zu nehmen. Es war eine wunderbare Zeit mit euch! Wir haben einen unvergesslichen Einblick in eure Reise erhalten und ganz viele Eindrücke von herzlichen Peruanern und wunderschönen Landschaften erhalten. Wir wünschen euch weiterhin eine erlebnisreiche und unfallfreie Fahrt!

Sylvie & Reto | 14. November 2017 | Zürich | Kilometer 910

Erster Abend (für uns) in Huaraz mit Fondue.
Abschied beim Hostel Monkey Wasi… Auf geht’s!
Blick auf den Huascarán. Der höchste Berg von Peru mit 6’768 m.ü.M.
Twins
Test
Unterwegs durch den Cañón del Pato. Anscheinend sollen es 38 Tunnels gewesen sein. Wir haben aufgehört zu zählen.
Río Santa
Weg von Chuquicara nach Mollepata (Möglichkeit 1 entlang des Flusses): auf der Suche nach einer Strasse…
Weg von Chuquicara nach Mollepata (Möglichkeit 1 entlang des Flusses). Ob uns diese Brücke tragen wird? Später stellte sich heraus, dass dies das kleinste Hindernis gewesen wäre.
1’500 Höhenmeter bis nach Pallasca (Möglichkeit 2).
Abfahrt von Pallasca Richtung Mollepata. Wenn es bergauf geht, muss es später mal bergab gehen.
Abfahrt von Pallasca nach Mollepata.
Blick vom nächsten Tag. Sieht spannend aus!
Der peruanische Alltag und der wahre Frieden.
Zelten auf 3’600 m.ü.M.
Arthur der Gentleman stösst Sarah’s Velo nach oben. Sarah freut’s.
Wo ist Arthur?
Zelten bei den Lagunen.
Plaza de Armas in Huamachuco.
Regen und Hagel in Shitabamba. Wir waren froh über unsere Regenhosen!
Zeltplatz oberhalb von San Marcos.
Kaffee ist fertig.
Fussballspiel Peru – Kolumbien auf dem Plaza de Armas.
Ruhetag ist Servicetag!
Plaza de Armas in Cajamarca.
Glückliche Abnehmer von Arthur’s altem Pneu aus Kolumbien.
Abfahrt Richtung Balsas.
Wieder mal ein bisschen Baustelle für Sarah und Arthur (und für uns).
Heute geht’s nur einmal hoch… trotzdem glücklich.
Aussicht auf das peruanische Hochland. Fahrt von Balsas Richtung Chachapoyas.
Über den Wolken…
Endlich auf dem Pass! 3’600 m.ü.M.
«Espresso» in Leymebamba.
Copy-Paste-Siedlung vor Chachapoyas.
In der Luftseilbahn nach Kuelap.
Kuelap. Siedlung der Chachapoyas.
Pas content!!
Luftseilbahn nach Kuelap.
Liebe Sarah und lieber Arthur, vielen Dank für die tolle Zeit, die wir mit euch erleben durften. Es war wirklich eine schöne Reise mit vielen Erlebnissen, spannenden Gesprächen und sehr viel Freude am Velofahren. Alles Gute und bis bald!

 

Un commentaire sur “Auf und ab durch Nordperu

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  1. bonsoir les jeunes,

    merci d’avoir mis quelques photos, ça m’a permis de comprendre …. un peu.
    J’ai compris qu’Arthur n’était pas content !!!
    Certaines photos sont vraiment très belles.
    Bonne continuation.

    René

    J'aime

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